Panikattacken verstehen: Was im Körper passiert und was im Akutfall helfen kann
- manjajuckel

- vor 2 Tagen
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Es beginnt oft ohne Vorwarnung. An der Kasse im Supermarkt, im Auto auf der B14, mitten in einer Besprechung oder nachts im Bett. Das Herz rast, die Hände kribbeln, der Atem wird flach. Ein Gedanke schiebt sich nach vorne: Ich bekomme keine Luft. Ich verliere gleich die Kontrolle. Irgendetwas stimmt (mit meinem Herzen) nicht.
Viele Menschen, die mit dem Thema Panikattacken in meine Praxis kommen, haben zu diesem Zeitpunkt bereits eine ärztliche Odyssee hinter sich: Hausarzt, Kardiologie, Notaufnahme, Belastungs-EKG. Der Befund lautet jedes Mal: unauffällig. Und genau das macht es oft noch schwerer. Denn was man nicht erklären kann, wirkt umso bedrohlicher.
Die gute Nachricht vorweg: Panikattacken sind keine Einbildung, keine Charakterschwäche und kein Zeichen dafür, dass Sie „verrückt werden". Sie sind eine überschießende Reaktion eines völlig gesunden Alarmsystems. Und sie gehören zu den psychischen Belastungen, für die es sehr gut untersuchte Behandlungswege gibt.
Wie häufig sind Panikattacken wirklich?
Sie sind damit deutlich weniger allein, als es sich anfühlt. Nach der deutschen S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen liegt die Zwölf-Monats-Prävalenz einer Panikstörung mit oder ohne Agoraphobie in Deutschland bei etwa 2% der Erwachsenen – bei Frauen mit rund 2,8% häufiger als bei Männern (Bandelow et al., 2021). Angststörungen insgesamt betreffen innerhalb eines Jahres etwa 15% der erwachsenen Bevölkerung und sind damit die häufigste Gruppe psychischer Erkrankungen überhaupt.
Auf eine Kleinstadt heruntergerechnet heißt das: In Ihrer Straße, in Ihrem Verein, in Ihrem Büro sitzen mit hoher Wahrscheinlichkeit Menschen, die dasselbe erleben, und ebenso wenig darüber sprechen.

Was bei einer Panikattacke im Körper passiert
Eine Panikattacke ist im Kern eine Fehlalarmierung des sympathischen Nervensystems. Der Körper schaltet in Sekundenbruchteilen auf Kampf oder Flucht:
Die Nebennieren schütten Adrenalin und Noradrenalin aus.
Herzfrequenz und Blutdruck steigen, damit die Muskulatur schnell versorgt wird.
Die Atmung wird schneller und flacher – wir hyperventilieren.
Blut wird aus Händen, Füßen und Verdauungsorganen in die großen Muskeln umverteilt: Kribbeln, kalte Hände, Übelkeit.
Die Pupillen weiten sich, das Sehen wird als „unwirklich" erlebt.
Jedes einzelne dieser Symptome ist sinnvoll, wenn tatsächlich ein Bär vor uns steht. Das Problem ist nicht die Reaktion, sondern der fehlende Anlass.
Besonders wichtig ist dabei die Atmung. Beim schnellen Atmen wird zu viel Kohlendioxid abgeatmet. Der pH-Wert des Blutes verschiebt sich, die Gefäße im Gehirn verengen sich leicht und genau daraus entstehen Schwindel, Benommenheit und das Gefühl der Unwirklichkeit. Also ausgerechnet die Symptome, die die meisten Menschen als Beweis dafür deuten, dass sie gleich ohnmächtig werden oder sterben.
Der Teufelskreis der Angst
Der britische Psychologe David M. Clark hat dieses Muster bereits 1986 in einem bis heute prägenden Modell beschrieben: Panik entsteht durch die katastrophisierende Fehldeutung harmloser Körperempfindungen.
Der Kreislauf sieht so aus:
Auslöser – Stress, Koffein, Hitze, eine Erinnerung, manchmal auch gar nichts Erkennbares.
Körperempfindung – ein Herzstolpern, ein Ziehen in der Brust.
Bewertung – „Das ist ein Herzinfarkt."
Angst – der Körper alarmiert sich weiter.
Verstärkte Symptome – die scheinbar die Befürchtung bestätigen.
Der Kreis schließt sich und dreht sich schneller. Deshalb hilft der Satz „Reiß dich zusammen" nicht: Er setzt an der falschen Stelle an. Wirksam wird es dort, wo die Bewertung sitzt – und dort, wo der Körper wieder in Sicherheit signalisiert werden kann.

Drei Ansätze für den akuten Moment
Diese Übungen ersetzen keine Behandlung. Sie können aber im Moment Halt geben und die Erfahrung ermöglichen, dem Zustand nicht ausgeliefert zu sein.
1. Länger ausatmen als einatmen. Vier Sekunden einatmen, sechs bis acht Sekunden ausatmen, gerne mit leicht gespitzten Lippen. Der Schlüssel ist nicht das tiefe Einatmen – das verstärkt die Hyperventilation eher –, sondern die verlängerte Ausatmung.
2. Den Körper im Raum verankern. Fünf Dinge benennen, die Sie sehen. Vier, die Sie hören. Drei, die Sie spüren. Die Aufmerksamkeit wandert damit von der Katastrophenerwartung im Inneren nach außen.
3. Die Welle nicht bekämpfen. Eine Panikattacke erreicht ihren Höhepunkt typischerweise innerhalb weniger Minuten und klingt dann ab. Versuchen Sie, die Empfindungen wie eine Welle wahrzunehmen: Sie bauen sich auf, erreichen einen Höhepunkt und verändern sich wieder.
Wann professionelle Unterstützung sinnvoll ist
Ein Hinweis, der mir wichtig ist: Körperliche Beschwerden wie Herzrasen, Brustschmerz oder Atemnot gehören immer zuerst ärztlich abgeklärt. Erst wenn organische Ursachen ausgeschlossen sind, ist die psychotherapeutische Arbeit der richtige Weg.
Sinnvoll wird professionelle Begleitung insbesondere dann, wenn:
die Attacken wiederholt auftreten,
Sie beginnen, Situationen oder Orte zu meiden,
die Angst vor der nächsten Attacke Ihren Alltag bestimmt („Erwartungsangst"),
Sie sich sozial zurückziehen oder Ihre Partnerschaft darunter leidet,
Sie versuchen, die Anspannung mit Alkohol oder Medikamenten zu dämpfen.
Wie ich in meiner Praxis in Hersbruck arbeite
In meiner Privatpraxis für Psychotherapie in Hersbruck beginnen wir dort, wo es für Sie am dringendsten ist. Meist heißt das zunächst: verstehen, was im Körper passiert. Allein das Wissen um den Mechanismus nimmt vielen Menschen einen Teil der Bedrohlichkeit.
Im weiteren Verlauf arbeiten wir an mehreren Ebenen zugleich – an der körperlichen Regulation, an den Bewertungsmustern, die den Teufelskreis am Laufen halten, und an dem, was dahinterliegt: chronische Überforderung, unausgesprochene Konflikte, alte Erfahrungen, die im Nervensystem gespeichert geblieben sind. Je nach Anliegen kommen dabei auch hypnotherapeutische Elemente zum Einsatz.
Meine Praxis liegt in der Nürnberger Straße 1, wenige Schritte vom Marktplatz Hersbruck entfernt – gut erreichbar aus dem gesamten Nürnberger Land, aus Lauf, Pommelsbrunn, Altdorf und Nürnberg, Erlangen, Fürth. Wenn Ihnen der Weg zu weit ist oder Ihr Terminkalender es nicht hergibt, ist die Begleitung auch online möglich.
Häufige Fragen zu Panikattacken
Kann man an einer Panikattacke sterben? Eine Panikattacke selbst ist äußerst belastend und kann sich bedrohlich anfühlen. Beschwerden wie Brustschmerzen, Atemnot oder starkes Herzrasen sollten jedoch insbesondere beim erstmaligen Auftreten oder bei ungewöhnlichem Verlauf medizinisch abgeklärt werden.
Wie lange dauert eine Panikattacke? Eine Panikattacke beginnt typischerweise plötzlich und erreicht ihren Höhepunkt innerhalb weniger Minuten. Wie lange die Beschwerden insgesamt wahrgenommen werden, kann unterschiedlich sein. Erschöpfung und innere Anspannung können anschließend noch länger anhalten.
Muss ich Medikamente nehmen? Das ist eine ärztliche Entscheidung und keine, die ich treffe. Die S3-Leitlinie führt Psychotherapie und Pharmakotherapie gleichrangig als Behandlungsoptionen auf; viele Menschen kommen mit psychotherapeutischer Begleitung allein gut zurecht.
Was kostet eine Sitzung und übernimmt die Kasse die Kosten? Ich arbeite als Heilpraktikerin für Psychotherapie in einer Privatpraxis. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen die Kosten in der Regel nicht, viele private Zusatzversicherungen anteilig. Die aktuellen Konditionen bespreche ich mit Ihnen transparent im kostenfreien Erstgespräch.
Literatur
Bandelow, B., Aden, I., Alpers, G. W., Benecke, A., Beutel, M. E., Deckert, J., … Beutel, M. E. (2021). Deutsche S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Version 2. AWMF-Registernummer 051-028. Berlin: AWMF. Verfügbar unter: https://register.awmf.org/de/leitlinien/detail/051-028
Clark, D. M. (1986). A cognitive approach to panic. Behaviour Research and Therapy, 24(4), 461–470.
Goessl, V. C., Curtiss, J. E. & Hofmann, S. G. (2017). The effect of heart rate variability biofeedback training on stress and anxiety: A meta-analysis. Psychological Medicine, 47(15), 2578–2586. https://doi.org/10.1017/S0033291717001003
Grossman, P. & Taylor, E. W. (2007). Toward understanding respiratory sinus arrhythmia: Relations to cardiac vagal tone, evolution and biobehavioral functions. Biological Psychology, 74(2), 263–285.
Pompoli, A., Furukawa, T. A., Imai, H., Tajika, A., Efthimiou, O. & Salanti, G. (2016). Psychological therapies for panic disorder with or without agoraphobia in adults: A network meta-analysis. Cochrane Database of Systematic Reviews, 4, CD011004. https://doi.org/10.1002/14651858.CD011004.pub2
Zaccaro, A., Piarulli, A., Laurino, M., Garbella, E., Menicucci, D., Neri, B. & Gemignani, A. (2018). How breath-control can change your life: A systematic review on psycho-physiological correlates of slow breathing. Frontiers in Human Neuroscience, 12, 353. https://doi.org/10.3389/fnhum.2018.00353
Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information und ersetzt weder eine ärztliche Abklärung noch eine individuelle Diagnostik oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wenden Sie sich bitte an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt, in Notfällen an den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117 oder den Notruf 112.




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