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Schulangst bei Kindern: Wenn der Schulranzen schwerer wiegt als die Bücher

Aktualisiert: 31. Juli 2025


Der Schulbesuch soll ein Ort des Lernens, der Entwicklung und des sozialen Miteinanders sein. Für viele Kinder ist er jedoch mit Angst und Stress verbunden. Schulangst ist kein seltenes Phänomen, aber sie wird oft übersehen oder als „Faulheit“ fehlinterpretiert.


Was ist Schulangst?

Schulangst bezeichnet eine starke emotionale Belastung, die mit dem Gedanken an die Schule oder bestimmte schulische Situationen verbunden ist. Die Angst kann sich auf Leistungsdruck, aber auch auf Lehrer:innen, Mitschüler:innen oder den Schulweg beziehen. Sie äußert sich oft körperlich, z. B. durch Bauchschmerzen, Übelkeit oder Schlafstörungen, ohne dass eine organische Ursache vorliegt.

Laut Studien leiden bis zu 10 % der Schulkinder in Deutschland zeitweise unter Schulangst. Wird sie nicht erkannt und behandelt, kann sie zu sozialen Rückzügen, Leistungsabfall und langfristigen Ängsten führen.


Woran erkennen Eltern Schulangst?

Achten Sie auf wiederkehrende Anzeichen wie:

  • Häufige körperliche Beschwerden vor dem Schulbesuch (z. B. Bauch- oder Kopfschmerzen)

  • Verweigerung, zur Schule zu gehen

  • Gereiztheit oder Weinen am Morgen

  • Konzentrationsprobleme oder sozialer Rückzug

  • Panik vor Prüfungen, Noten oder bestimmten Personen

Kinder können ihre Ängste oft nicht klar benennen, sie zeigen sie über Verhalten. Umso wichtiger ist es, sensibel zu beobachten und zuzuhören.


Was steckt hinter Schulangst?

Die Ursachen sind vielfältig und oft individuell:

  • Leistungsdruck durch hohe Anforderungen oder Angst zu versagen

  • Soziale Ängste, z. B. Mobbing oder Schwierigkeiten mit Mitschüler:innen

  • Trennungssituationen, z. B. bei Einschulung oder Schulwechsel

  • Perfektionismus und überhöhte Selbstansprüche

  • Familiäre Belastungen, die das Kind unbewusst mit in die Schule trägt

  • Mobbing durch Lehrer:innen: Auch seelischer Druck oder abwertende Kommentare können Schulangst auslösen, die Noten können sich verschlechtern oder sogar die Versetzung in die nächste Klasse oder gar Schule.

Gerade bei Mobbing, sei es durch Mitschüler:innen oder Lehrkräfte, ist es wichtig, nicht zu zögern: Solche Vorfälle sollten umgehend der Schulleitung oder dem zuständigen Schulamt gemeldet werden. Kinder benötigen hier besonderen Schutz und klare Unterstützung.


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Wie kann Psychotherapie helfen?

Psychotherapeutische Unterstützung kann betroffenen Kindern helfen, ihre Ängste besser zu verstehen und zu bewältigen. In der Therapie werden altersgerechte Methoden eingesetzt, z. B. spielerische oder kreative Techniken, um mit der Angst umzugehen. Mögliche Ziele sind:

  • Aufbau von Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit

  • Erlernen von Bewältigungsstrategien in belastenden Situationen

  • Aufarbeitung möglicher Auslöser wie Mobbing oder familiärer Stress

  • Stärkung der emotionalen Regulation

Auch die Einbindung der Eltern ist ein wichtiger Bestandteil – sie erhalten Werkzeuge, um ihr Kind im Alltag zu unterstützen, ohne die Angst ungewollt zu verstärken.


Was Sie als Eltern tun können

  • Nehmen Sie die Ängste Ihres Kindes ernst.

  • Suchen Sie das Gespräch mit Lehrkräften, oder Vertrauenslehrer:innen um einen besseren Einblick zu bekommen.

  • Halten Sie liebevoll konsequente Strukturen aufrecht. Sicherheit hilft gegen Unsicherheit.

  • Überfordern Sie Ihr Kind nicht mit gut gemeinten Ratschlägen, bleiben Sie geduldig.

  • Beobachten Sie genau, ob Mobbing eine Rolle spielt und handeln Sie entschlossen.


Schulangst ist mehr als „keine Lust auf Schule“. Sie kann Kinder tief verunsichern und in ihrer Entwicklung beeinträchtigen. Doch mit der richtigen Unterstützung lässt sich Schulangst erfolgreich bewältigen.

Wenn Sie sich Sorgen um Ihr Kind machen oder unsicher sind, ob es unter Schulangst leidet, sprechen Sie mich gern an. Gemeinsam finden wir Wege, Ihr Kind zu stärken und die Freude am Lernen zurückzubringen.







Literatur

  • Hopf, H. (2025). Schulangst und Schulphobie: Wege zum Verständnis und zur Bewältigung. 4. Auflage. Brandes & Apsel. Ein umfassender Ratgeber zu Ursachen wie Versagensangst, Mobbing bzw. Schulphobie und sozial-dynamischen Hintergründen. beltz.de+12brandes-apsel.de+12Sigmund-Freud-Buchhandlung+12

  • Melfsen, S. & Walitza, S. (2013). Soziale Ängste und Schulangst: Entwicklungsrisiken erkennen und behandeln. Beltz. Behandelt schulbezogene Ängste systematisch und gibt Therapieansätze für Kinder und Jugendliche.beltz.de+1Wikipedia+1

  • Lehmkuhl, G. & Oelsner, W. (2002/2004). Schulangst: Ein Ratgeber für Eltern und Lehrer. DTV/Beltz. Klar strukturierter Praxisratgeber mit tiefenpsychologischer Perspektive. fachportal-paedagogik.de+15Wikipedia+15Wikipedia+15

  • Fischer, A.-C., Dunkake, I. & Ricking, H. (2022). „Risk Factors for School Based Anxiety: An Empirical Study“. Zeitschrift für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie, 50(6), 447–456. Analysiert Zusammenhänge zwischen Schulangst, Selbstwirksamkeit und Schulverweigerung.

  • Ihle, J., Jahnke, D. & Esser, G. (2003). „Kognitiv‑verhaltenstherapeutische Behandlungsansätze bei Schulphobie“. In: PeDOCS. Skizziert evaluierte Therapieprogramme für schulbezogene Angst und Schulvermeidung

 
 
 

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